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Kleine Kirchenführung

Ein Rundgang von und mit Helmut Fritz, Kirchenpädagoge in der EKHN

Verehrte Kirchenbesucher,
wir haben für Sie zwei Möglichkeiten vorbereitet an einem virtuellen Rundgang durch die Ev. Laurentiuskirche teilzunehmen. Vielleicht genügt Ihnen ja schon der nachstehend geschilderte, kleine Rundgang, der das Wichtigste in Kürze anspricht. Sollten Sie sich die Sehenswürdigkeiten jedoch genauer ansehen wollen, finden Sie einen ausführlich beschriebenen und reichbebilderten Rundgang unter dem Download „Große Kirchenführung“. Hier finden Sie zusätzliche Informationen (mit weiteren Bildern) zu einigen, in beiden Führungen angesprochenen, besonderen Themen.

Das Gotteshaus
Auf der felsigen Anhöhe des heutigen Kirchgeländes stand im 14. Jh., eine kleine (romanische) Steinkirche, dem heilig. Laurentius geweiht, die aber schon 1475 als "baufällig" bezeichnet wurde. 1478-1518 ersetzte man sie durch eine spätgotische Kirche, die teilweise dem Stadtbrand von 1635 zum Opfer fiel. 1651-58 erfolgte ihr Wiederaufbau in der heute noch vorzufindenden Form als ein dreischiffiges Hallenlanghaus von vier Jochen mit östlich daran anschließendem, dreiseitigem Chor von zwei Jochen und mit quadratischem (Wehr-)Turm im Westen.

Das Kirchenschiff
Sechs achteckige Säulen aus der zerstörten Kirche am Landstein (15. Jh.) tragen über Rundbögen die flache Decke. Beim Wiederaufbau bis 1652 erhöhte man das Schiff. Dabei wurden drei Südfenster wesentlich vergrößert und 1657 zusätzliche kreisrunde Fenster in Deckennähe eingebaut. Ein gotisches, gestäbtes Portal (ebenfalls aus der Landstein-Kirche) führt nach Westen in die offene Turmhalle und zeigt auf der Kirchenseite figürlichen Schmuck. Das Nordportal aus dem 17. Jh. ist der heutige Eingang in die Kirche. Die westliche der beiden aus dem 17. Jh. stammenden Holzemporen trägt 12 barocke Apostelbilder. Zur Ausstattung des Gottesdienstraumes gehören: Taufbecken und Altar von 1699 aus Vilmarer Mamor, hölzerne Predigtkanzel von 1653, marmorner Opferstock von 1735. Südwand und Deckenbemalung um 1900: auf der Decke - neben Ornamenten - Moses, David und die vier Evangelisten. Glasmalereien in den Südfenstern von 1901 zeigen Szenen aus dem Leben Jesu: Taufe, Kreuzigung und Auferstehung.

Der Chor
Zwei Stufen führen durch einen hohen, gotischen, Triumphbogen vom Schiff in den dreiseitigen Chor. Ehemals sterngewölbt, wird er außen gestützt von Strebepfeilern mit Schieferpultdächern. Die sechs Fenster mit schrägen Gewänden haben ihr gotisches Maßwerk verloren. Ornamentale Malereien (um 1900) zieren die heutige Flachdecke. Eine dreiseitige Holzempore (17. Jh.) öffnet sich zum Schiff der Kirche hin. Ihr Ostflügel (Mitte) zeigt den barocken Orgel-Prospekt.

Die Sakristei
Nur die im Süden des Chores angebaute Sakristei hat als einziger Bauteil der früheren, gotischen Kirche den großen Brand von 1635 unversehrt überstanden. Über einem rechteckigen Grundriss erhebt sich ein Sterngewölbe dessen Schlussstein ein mit heraldischen Lilien besetztes, achtspeichiges Rad (sog. "Mainzer Rad" trägt).

Die Fürstengruft und die Grabdenkmäler
Nach Einführung der Reformation in Usingen diente die Sakristei ab 1659 dem Usinger Fürstenhaus als Grablege. 1775 Errichtung einer letzten Gruft östlich der Sakristei (Zugang im Chor). Dort stehen 14 Särge, u.a. der des 1. Herzogs von Nassau, Friedrich August zu Nassau-Usingen. Mehrere sehenswerte Grabdenkmäler in der die Kirchenhalle. Unter den Grabplatten an der äußeren Kirchensüdwand findet man die der Usinger Amtmänner Carl v. Stockheim (+1551) und Reinhart v. Schletten (+1609).

Die Orgel
Unter Weiterbenutzung verwendbarer Orgelbauteile und Pfeifen aus vorherigen Baustadien des Barock (1718, Johann Nikolaus Schäfer) und der Romantik (1881, Gustav Raßmann) baute die Orgelbaufirma Günter Hardt aus Möttau (Raßmann-Nachfolger) in den Jahren 1991-92 eine 2-manualige Orgel mit Pedal und 31 Registern in das vorhandene, prachtvolle Barockgehäuse von Schäfer ein. Die Disposition ermöglicht das Spiel von Orgelwerken des ausgehenden Mittelalters bis zur Gegenwart.

Der Turm
1489 wurde ein Vertrag mit dem Baumeister „Hansen Koltern zu Belmondt“ über den Bau eines Turmes auf der Westseite des Gotteshauses geschlossen. Ein Sandsteinquader im Turmfuß auf der Nordseite trägt das Datum der Grundsteinlegung "1490". Der Turm erhielt fünf gemauerte Geschosse und als Abschluss einen gotischen Spitzhelm. Das ehemals gewölbte Erdgeschoss öffnet sich gegen Süden und Norden in niedrigen Spitzbögen. Die flachgedeckte Kapelle im 2. Geschoss hat östlich eine spitzbogige Öffnung als Zugang aus dem Kirchenschiff und ein zweiteiliges, gotisches Fenster mit Fischblasen-Maßwerk im Westen. Drei gotische Fenster mit Maßwerkresten im 5. Geschoss werden außen verdeckt durch Zifferblätter der (heute elektrischen) Uhr. Die im 4. Geschoss stehende mechanische Turmuhr (vor 1900) ist nicht mehr in Betrieb. Beim Wiederaufbau, nach dem Kirchenbrand von 1635, wurden über den fünf steinernen Geschossen zwei achteckige, verschieferte Holzstockwerke aufgesetzt. Den krönenden Abschluss bildet eine achteckige, verschieferte Dachhaube aus Holz in Glockenform (eine sog. "Welsche Haube"). Das untere Holzstockwerk ist als Glockenstube eingerichtet und enthält vier Gussstahl-Glocken (von 1952) mit der Stimmung f ', as ', b ', des ''. Im oberen Holzstockwerk befand sich die Wohnung für die Usinger Türmer, die dort bis 1860 ihren Dienst versahen. Die Turmhöhe beträgt rund 48 Meter.
Über der Eingangstüre zum Gotteshaus empfängt den Besucher ein in den hölzernen Türsturz geschnitztes: AO [Alpha und Omega = Anfangs- und Endbuchstabe des griechischen Alphabets] - ein Symbol für Christus - "Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte" (Offenb. 22, Vers 13)

Große Kirchenführung

von Helmut Fritz

Zusätzliche Informationen (mit weiteren Bildern) zu einigen, in beiden Führungen angesprochenen, besonderen Themen erhalten Interessierte unter den folgenden Downloads: